Auf der Suche nach der goldenen Location

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Geschrieben von Hank Zerbolesch

21.08.2025

Ich hab euch jetzt mal ein paar Tage beobachtet. Wie ihr da draußen sitzt. In all den Cafés. Wie ihr Getränke aus viel zu kleinen Flaschen in noch kleinere Gläser schüttet. (Die nur so klein sind, damit ihr nicht seht, wie klein die Flaschen sind, die sie euch verkaufen.) Wie ihr dann an den Gläsern nippt und vor euch hin existiert. Gelangweilt sehr ihr aus. Trostlos und gelangweilt. Vielleicht liegt‘s daran, dass der Sommer bald vorbei ist, vielleicht liegt’s auch am Straßenmusiker, oder vielleicht habt ihr das mit den Flaschen und den Gläsern ja doch verstanden, und jetzt wisst ihr nur nicht, wie ihr euch dazu verhalten sollt. Aber egal woher auch immer diese Langeweile kommt: Da machen wir jetzt was gegen, also folgendes:

Als investigativer Schriftsteller der ich bin, (und im Zuge der own-voice-Bewegung, einer kleinen und unbedeutenden Splittergruppe im Literaturbetrieb), hab ich mich mal auf die Suche gemacht. Auf die Suche nach einer passenden Location, um mir und euch ein paar schöne Abende zu zimmern, ein paar neuer und schöner Erinnerungen einzupflanzen. Einer Location für eine Charles-Bukowski-Gedächtnis-Kühlschranklesungs-Veranstaltung, zum Beispiel. (Zugegeben, der Titel ist noch bisschen sperrig, aber das wird schon.) Und bei eben jener Suche bin ich durch Zufall (ein Schild mit der Aufachrift Hier gibt’s Diebels Alt) im Papperla Pub gelandet. Ein Ort, an dem es das günstigste Bier in ganz Goslar gibt. Ein Ort, an dem man zum Bier immer auch einen Kurzen nimmt, und an dem man dabei den kleinen Finger abspreizt. („Immer schön die Finger vom Alkohol lassen!“). Ein Ort, an dem man Fernet Branca trinken kann, ohne dass irgendwer dich auslacht. Ein Ort, an dem dir C. erklärt, wie genau das jetzt funktioniert mit der Zwei-Faktor-Authentifizierung der Bank-App, und an dem man zum Rauchen nicht vor die Tür muss! (Ein Novum in Nordrhein-Westfalen.) Ein Ort, wie Gemacht, um Whiskey Myers auf der größten auszuhaltenden Lautstärke zu hören. Ein Ort, an dem man sich nicht nur erzählt, was früher alles besser war, sondern auch, was das Heute kann. Ein Ort, an dem man sich streitet über die Zukunft des Kaiserpfalz-Quartiers und über vermeintliche Parkhäuser. Ein Ort, an dem der Sliwowitz gar nicht mehr so scheiße schmeckt. Ein Ort, an dem man die Zeit vergisst. An dem man sich verlieren, an dem man sich vergessen kann. An dem man irgendwann zahlt und denkt „Was? So lange bin ich schon hier? Irre.“

Irgendwann später. Irgendwie hab ich es geschafft, mich in einem Labyrinth aus dunklen Gassen zu verlaufen. Alles hier sieht aus, als würde jeden Augenblick eine Hexe auf ihrem Besen durchgeschossen kommen, laut lachend an mir vorbeiziehen, die Warze auf ihrer Nase zu nem dicken Pickel verzaubern und … egal, lassen wird das, sagen wir ich bin froh, als ich den Weg hinaus finde. (Übrigens hat in diesem Gassengewirr ein ehemaliger Bundeskanzler zum Dachdecker umgeschult und einen Betrieb eröffnet. Falls es bei euch mal reinregnet und ihr Lust auf sozialdemokratische Grundsatzdiskussionen habt.)

Am Ende der Gassen trink ich dann noch ein schnelles Bier mit den Jungs, die da auf der Mauer sitzen und sich über den Anbau von Gras unterhalten. Aber als die dann so richtig aufdrehenn, da bin ich fertig. Mit den Jungs und mit dem Tag.

Resümee: Aus dem Drehen von Joints muss man keine Raketenwissenschaft machen. Egal wie du die drehst, die müssen nur knallen, das ist deren USP, da musst du das Rad nicht neu erfinden.
Das Papperla Pub hat das beste Bier der Stadt, und auch das günstigste, eine über die Maßen seltene Kombination. Aber für eine Charles-Bukowski-Gedächtnis-Kühlschranklesungs-Veranstaltung (ich arbeite noch am Titel, versprochen) ist das Ding zu klein, zu schlauchförmig. Aber vielleicht habt ihr ja Tipps für passende Locations?
Was ich brauche: einen Ort mit niederschwelligem Biernachschub, Platz für ca. 20–40 Leuten, einer kleinen Anlage mit 2 Mikros, und einen Kühlschrank auf der Bühne. Sachdienliche Hinweise gehen direkt an mich hier bitte, danke.