Läuft hier

Geschätzte Lesezeit: 4 Min

Geschrieben von Hank Zerbolesch

18.09.2025

Mit der Arbeit als Schriftsteller ist das wie mit dem Urlaub als Arbeitnehmer. Wenn der anfängt, bist du erstmal überfordert und weißt gar nicht wohin mit all der Zeit. (Wenn du denn alleine lebst.) Der ganze Alltagsstress rennt dir noch ein paar Wochen hinterher … und irgendwann dann bist du drin. Und während beim Arbeitnehmer genau an diesem Punkt der Urlaub wieder vorbei ist und die Arbeit weitergeht, hab ich als Schriftsteller das große Glück, dass ich jetzt dann loslegen kann. Der Kopf hat sich freigeblasen, der Fokus enger geschraubt, und es läuft. Oder flowt. Auf jeden Fall geht es voran. In wesentlich größeren Schritten als sonst.

Und genau an diesem Punkt bin ich jetzt. Ich hab keine Ahnung, was gerade so los ist in Goslar, denn ich bin im Tunnel. Im „Geil, ich hab das Problem gelöst“-Tunnel. Im „Boah, so spät is schon?“-Tunnel. Im „Hab ich glatt vergessen zu essen heute“-Tunnel. Das ist was gutes. Denn normalerweise läuft das anders. Normalerweise kommen die Leute aus allen Ecken mit ihren „Kannste mal“s. Kannste mal hier, kannste mal da, ich brauch mal kurz deine Hilfe – weil du hast ja Zeit. Bist ja Freiberufler. Aber hier jetzt. In Goslar. Da kommt keiner. Oder weniger. Viel weniger. Weil man ist ja nicht vor Ort. Also ich. Bin nicht vor Ort. Da sucht man dann andere Leute. Welche die greifbar sind und mal eben irgendwas super wichtiges machen können. (Fun-fact: Es ist nie mal eben.) Und ich? Sitze hier und arbeite. Für mich. Alleine. Ohne Menschen. Das Brot des Schriftstellers.

Das stimmt natürlich nur zur Hälfte, weil alles hat seine Zeit. Die intensiven Erfahrungen genauso wie die, davon zu erzählen. Und jetzt gerade, scheiße jetzt gerade ist genau die Zeit, um davon zu erzählen. Darum sitze ich und denke und tippe und streiche und poliere. Weil läuft hier. Man muss die Feste feiern wie sie fallen, die Biere trinken wie sie fließen, die Geschichten schreiben wie sie kommen.

Und für den Fall, dass euch interessiert, was ich hier so mache, woran ich gerade arbeite, allein im stillen Kloster, streicht euch mal den 04. Oktober rot im Kalender an. Da nämlich werd ich euch den Roman vorstellen, an dem ich gerade arbeite. Und damit ihr so ein Gefühl bekommt, worum es überhaupt geht, hier ein kleiner Anheizer:

„Leere Flaschen, lose Fäuste, Hochhaussiedlung: Benno kennt das Leben nur von unten. Als ein Einbruch in eine Villa schiefläuft, steht er dem Hausherrn gegenüber, und der verlangt eine Entscheidung: Polizei oder Probearbeit? Benno sagt nicht Polizei – und landet in einer Welt aus Bio-Kaffee, Projektpräsentationen und Ehrenamtlern. Der ‚Hof Amberg‘ will Integration, Gemeinschaft, Wandel – und Benno ist komplett überfordert. Aber die positive Energie auf dem Hof ist ansteckend, und Schritt für Schritt wächst Benno über sich hinaus.“

Und wenn ihr jetzt Bock gekriegt habt: Samstag, 04.10., 19:30 Uhr, Goslarsche Höfe. Der Eintritt ist frei, dafür dürft ihr euer schwer verdientes Geld in die Kies-Kanne schmeißen, jeder das, was ihm der Abend wert war. Und der Erlös, der geht an die Goslarschen Höfe. Dafür, dass ich euch von meiner Arbeit erzählen kann.

Wenn ich ihr wärt, ich würd kommen.