Über das Schreiben

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Geschrieben von Elisabeth Pape

Virginia Woolf hat in A Room of One’s Own geschrieben, wie wichtig es für Frauen ist, einen eigenen Raum zu haben, wenn sie schreiben wollen. Einen Ort, wo man ungestört ist, wo man nicht ständig für andere sorgen muss. Natürlich geht es bei Woolf nicht nur um Ruhe oder Stille, es geht um Freiheit, um Unabhängigkeit, um die Chance, über die eigene Zeit zu entscheiden. Aber vielleicht hängt all das zusammen: Schreiben braucht einen Ort, an dem die Welt für einen Moment nicht dazwischenkommt.

Hier in der Rosentorstraße redet mir niemand dazwischen.
Niemand betritt die Wohnung, ich weiß um meine Ruhe.
Ich kann entscheiden, wann ich in den Kontakt trete und wann nicht und gerade entscheide ich mich oft bewusst dagegen - was heißt:

Schweigend gehe ich durch den Tag.
Schreibend in meinem Kopf.
Ich schreibe die ganze Zeit in meinem Kopf.
Beim Frühstück, wenn ich durch die Wohnung laufe, wenn ich vorm Puzzle sitze (Ich habe ein 1500 Teile Puzzle mit nach Goslar gebracht).

Dann die Leere, wenn ich am Schreibtisch sitze,
in meinem Kopf schreibe ich so viel, und dann am Schreibtisch so wenig.
Es ist so langsam, dass es mir zu langsam ist, das Denken geht schneller, ich wünsche mir so oft, dass meine Gedanken einfach in der Notizen-App abrufbar sind. (NEIN, ich kann nicht ins Handy diktieren, schön wär’s!)

Ich schreibe im Gehen, oder im Liegen, wenn ich müde bin.
Müde Beine helfen.
Abends: Die Ruhe, ich muss nichts mehr leisten, der Tag geht zu Ende. Ich hacke in die Tasten. Müde liege ich da und versuche zu schreiben, lösche, schreibe, tippe, lösche, lösche, fluche, weine.
Die Nächte manchmal durchmachen, schreiben, wenn alle schlafen, wenn niemand arbeitet. Tagsüber dann schlafen.
Ein Vampir werden.

Daran scheitern.
Neue Routinen ausprobieren.
20 Minuten schreiben. Aufstehen. Dehnen.
20 Minuten schreiben. Aufstehen. Dehnen.
Karamellbonbon.
Schwarztee.
20 Minuten schreiben. Aufstehen. Dehnen.
Weiter machen dürfen, wenn ich 2 Puzzleteile gefunden habe.
Eine Übung machen für mein ISG.
20 Minuten schreiben.

Alles reißt mich raus.
Jedes kleinste Geräusch, setze mir selbst in der Wohnung Noise Cancelling Kopfhörer auf.

Marguerite Duras schreibt, dass man zum Schreiben allein sein muss.
In ihrem Buch Écrire (1993) (auf Deutsch Schreiben) beschreibt sie das Schreiben als einen Akt, der eine tiefe, radikale Abgeschiedenheit von anderen Menschen erfordert. Die Einsamkeit schreibt gleichsam von selbst. Das Schreiben ist für Duras eine fundamentale Unmöglichkeit und zugleich eine absolute Notwendigkeit. Man weiß nie, was auf der nächsten Seite stehen wird.

Das muss man alles aushalten können.
Ich halte es aus.

Ich habe so viel geschrieben, wie schon lange nicht mehr.
Das ist doch schon mal was.
Ich nähere mich dem Kern (vielleicht).