Was ich der Wortwerkerin / dem Wortwerker schon immer sagen wollte
"Wieder hier" (Westernhagen)
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Geschrieben von Hank Zerbolesch
07.09.2025
Sonntag Morgen. Ich sitze vor dem Kloster Neuwerk. Um mich herum keine Menschen, keine Autos, keine Tiere. Wenn man sich hier umsieht, überkommt einen das Gefühl: „Das gehört alles mir. Die Straße, die Bank, der Gehweg, der Mülleimer; alles meins.“ Nach einer Woche Berlin ist das wie eine Darmspülung für die Seele. Und das mein ich nicht der Menschen wegen, die meisten von denen sind toll, aber das sind auch einfach so viele da. Berlins Slogan: „Wir scheißen dich mit Menschen zu.“
Aber egal. Was wollte ich sagen? Ach ja: Reisebusse. Der Reisebus. Singular. Hält auf der Rosentorstraße. An der Rosentorstraße. Auf würde er den Verkehr verstopfen wie sieben Big Mac die Arterien eines Patienten mit Koronarer Herzkrankheit. (An die mitlesenden Mediziner: geht dieser Vergleicht auf?) Aus dem Bus steigt eine angenehme Anzahl Touristen, und alle ziehen sie Reisekoffer hinter sich her: frrrrrrrr. Erste Männer und Frauen schieben Kinderwägen durch die Altstadt, Menschen machen Fotos vor den Botero-Bronzefiguren, der Obdachlose von gegenüber faltet sich zusammen, und über allen der blaue und wolkenlose Himmel. Einziges Manko in diesem Bild: die Uhr der Deutschen Bank geht immer noch falsch. Aber ich arbeite da an einer Lösung, mehr dazu ein andermal.
Es ist still in Goslar. Trotz der Menschen und Busse und Autos, die inzwischen da sind. Eine angenehme Stille ist das. Keine postapokalyptische Raccoon City-Stille, sondern eine zum Aufatmen, zum Runterfahren, zum Anlauf nehmen. „Goslar. Die Ruhe vor dem Harz.“ (Liebes Stadtmarketing: ich wiederhol das so lange, bis ihr den Slogan aufgreift.)
Allerdings reicht ein Blick auf den Instagram-Account von meingoslar, um zu erkennen, dass ich einfach ein paar Tage zu spät dran bin, es war „1. Freitag Goslar“. Und ich hab die Fotos und Videos gesehen. Ferraris auf dem Marktplatz. Verkleidete Venezianerinnen. Straßenmusiker. Ein am Glücksrad drehender Super Mario, ein Römer in Rüstung (Asterix und Obelix wären daneben ein guter Lacher gewesen, auch wenn die nicht zum Bella Italia-Thema gepasst hätten), und überall Leute und Sonne und Kaltgetränke. Hab ich wohl was verpasst, sagt meingoslar. Aber jetzt bin ich wieder da. Ich treffe Leute, organisiere Veranstaltungen, und wenn alles läuft wie es soll, dann erzähl ich euch demnächst live von dem Roman, an dem ich in eurer Stadt arbeite. Für den Augenblick möchte ich nur eines sagen: Liebes Goslar, es ist schön wieder hier zu sein. Ich mach kurz Frühstück, pack den Koffer aus, und dann geht’s weiter.
PS. Warum genau heißt das eigentlich 1. Freitag Goslar? Wird es einen zweiten geben? Und wenn ja, heißt der 2. Freitag Goslar? Und findet der dann am 2. Freitag im Monat statt? (Aber dann wär das Konzept nach vier Mal ja durchgespielt.) Oder heißt der zweite 1. Freitag Goslar dann 1. Freitag Goslar, Folge 2? Ich versteh das nicht. Kann mir das jemand erklären?