Martina Minkner - Mein 3. Ort, Lieblingsort: Pferdeparadies am Lindenberg

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Geschrieben von Admin

Herbst. Es beginnt zu rumpeln, als ich auf dem Kopfsteinpflaster in den wunderschönen, Landschaftspark Spiegelsberge einfahre, durch die kurvige, dicht bewachsene Allee der bunten Herbstbäume. Nach der Auffahrt über das Kopfsteinpflaster ist inmitten der Anhöhe ein Felssprung, der wie ein Tor auf mich wirkt. Er lädt ein und sagt mir, jetzt bist du mittendrin, denn auch die Straße ist ab hier geteert, und mein Auto summt leise durch den Park. Es beginnt langsam hell zu werden, als ich an der Lichtung mit der Wiese „Lange Flut“ entlangfahre, wieder in den Wald eintauche und kurz danach an der Schranke anhalte.

06:15 Uhr früh am Morgen. Mitte Oktober bedeutet bei uns Beginn der Wintersaison. Die Pferde sind seit gestern aufgestallt worden und haben ihre erste Nacht in der Box verbracht. Sie warten nun darauf, dass sie den Tag beginnen und bis zum Abend draußen sein dürfen. Ich habe heute Morgen den Job, die Pferde auf den Paddock mit angrenzender Weide, die noch offen ist, zu bringen. Es sind Neulinge in der Herde und ich frage mich: sind alle mit dem Ablauf einverstanden, wie es gestern theoretisch geplant wurde oder wird es Unruhe und Störungen geben? Können sie es kaum erwarten rauszukommen und stürmen los oder werden sie mit mir entspannt die Boxen mit mir verlassen? Diese Gedanken sausen mir durch den Kopf. Wenn sich der Ablauf erst einmal ein paar Tage eingeprägt hat, ist alles kein Problem. Aber ich bin heute die Erste, die mit den verwöhnten Fressraupen, wie wir sie ab und zu liebevoll nennen, den Plan auch praktisch ausprobieren wird. Es bleibt spannend.

 

Je höher ich die Auffahrt zum Stall hinauf fahre, desto neugieriger bin ich, ob sie alle geruht und die Nacht gut verbracht haben. Angekommen. Mein Blick geht zu den Pferdeboxen. Alle acht Pferdeköpfe schauen noch ein wenig verschlafen aus den Boxen. Jedes einzelne Pferd begrüße ich mit Freude, stupse es an den Nüstern oder streichle es am Kopf und frage ob es gut geschlafen hat. Nr. 8,5 unser Neuzugang Baby-Ponnyhengst Paul, kann natürlich nicht herausschauen. Aber ein Blick zu ihm und seinem Stroh im Haar, sagt mir, dass er genüsslich und schlafend die Nacht auf seinem Strohlager verbracht hat.

Sie wiehern oder brubbeln mich hier und da freudig an und wissen nun geht es raus an die frische Luft zum Frühstücken. Kantara und Wayki sind die ersten Damen, die ins Freie kommen. Ich achte natürlich darauf, dass ich genau die Reihenfolge einhalte, denn sonst erhalte ich gleich eine wiehernde und gegen die Boxentür tretende pferdische Rüge. Ordnung muss sein. Beide Damen kommen fix mit mir mit. Prinz Phönix, Chef der Herde, wartet schon freudig auf mich, denn er ist der nächste, der zum Frühstücksbuffet mit mir geht. Als wir am Paddock ankommen, begrüßt ihn Wayki wiehernd. Ich beginne, die nächsten Pferde zu holen, währenddessen ruft Wayki, die Leitstute vom Paddock aus schon, dass sie die anderen Herdenmitglieder erwartet und zum Fressen einlädt. Was für eine tolle Stute, die ihre Herde ruft, denn schließlich ist es ihr Job, für die Verpflegung sorgen. Den Chef interessiert das wenig, er muss sich zunächst stärken. Er steht in voller Größe und Breite mit seiner eindrucksvollen Aura am Buffet und schnurpst seine Portion Heu. Schließlich muss er genug Energie für seine Tagesaufgabe in der Herde haben, in dem er schaut, dass keine Gefahr durch wilde Tiere droht. Ein wirklich ein wichtiger Job, wie Vierbeiner alle wissen und denen es egal ist, dass er ein Handicap hat. Auf den Schutz ihres Chefs können sie sich verlassen.

Baileys, Jomee, Diana, Para und die kleinen Jungs kommen dazu und alle genießen friedlich ihre erste gemeinsame Mahlzeit. Ich beobachte die Herde, atme tief ein und genieße diesen Moment. Es ist immer wieder schön und immer wieder neu. So ein kurzer aber so entspannter Moment und schön zuzusehen und die feucht-modrige Herbstluft zu schnuppern. Inzwischen ist die Sonne weiter am Horizont herauf gekrochen, es ist ein Licht in ständig wechselnden Facetten zu sehen, als ob jemand eine leuchtend bunte Lampe angeknipst hat. Ein weiches und warmes Herbstlicht. Ich mache nun einen Boxenstopp. So nenne ich das Ausmisten der Box von Kantara. Stroh, Heu und ein Dessert für das Abendessen werden vorbereitet. Es dauert nicht lange und fertig ist das Pferdebett, aufgeschüttelt und frisch zurecht gemacht.

Beim Blick auf die Laubblätter leuchten mir die gelben, braunen und bronzefarbenen Ahornblätter im angeschalteten Naturwohnzimmer entgegen. Ich schlendere nach getaner Arbeit die Stallgasse entlang und bleibe am Koppelrand mit weit geöffneten Augen stehen. Der Himmel sieht oberhalb der Baumwipfel wie orangene Zuckerwatte aus, eingerahmt von einem kräftigen Blau. Wunder-wunderschön. Ich steige glücklich und zufrieden in mein Auto. Wieder einmal ich zu mir: „Herrlich, im Pferdeparadies am Lindenberg. So kann der Tag beginnen!“ Ich starte energiegeladen meinen Tag.

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