Die Menschen strömen in die Natur, mehr als je zuvor.

Ganze Wagenladungen drücken sich am Wochenende in die Naherholungsgebiete. Wanderpfade werden auf Apps verzeichnet. Die Kosten für Campingbusse schnellen auf ein Allzeithoch. Die Sehnsucht nach Natur - was auch immer der moderne Mensch darunter imaginiert - ist stark.

Geschätzte Lesezeit: 4 Min

Geschrieben von Armin Wühle

Womöglich versteckt er sich vor einer Gegenwart, die immer komplexer wird - und mit Phänomenen wie Trump, AfD und Killerhornissen nur immer bedrohlicher. Romantischer betrachtet, besinnt sich der Mensch auf seine Rolle im großen Ganzen - fühlt sich in der Natur heilsam klein, lernt Demut vor der Schöpfung. Ein Bedürfnis, das ihn durch alle Epochen begleitet hat.

Ob nun Flucht vor der Moderne oder angeborenes Bedürfnis oder nichts davon - oder etwas dazwischen. Was auch immer es ist, der Mensch strebt nach einer Beziehung zur Natur. Und zerstört sie gleichzeitig mit seinem Handeln.

"Die Umwelt schützen", das ist ein hehres Ziel, für das Aktivist*innen zu oft belächelt, im schlimmsten Fall attackiert, geschlagen, diffamiert werden. Gorleben und Wackersdorf standen in den 80er Jahren stellvertretend für den Kampf um den Umweltschutz. Heute sind es Lützerath und Hambach.

Aber was ist "die Umwelt"? Zu oft wird sie mit der Natur gleichgesetzt, aber das ist eine starke Verknappung. Die Umwelt ist ein komplexes Zusammenspiel von dem, was uns physisch umgibt (Erde, Wald, Wasser, Luft) und dem, was wir uns gegenseitig bereiten, die Gesellschaft, in der wir täglich leben. Wird ein Dorf wegen der darunterliegenden Kohle weggebaggert, werden damit nicht nur Fragen nach CO2-Emission und lebensbedrohlicher Klimaerwärmung aufgeworfen, sondern auch nach einer Gesellschaft, die sich in den grundlegenden Fragen des Zusammenlebens immer weiter voneinander entfernt.

Was heißt es also, die Umwelt zu schützen? Was bedeutet es, an einem guten Leben für Alle zu arbeiten - und welche Konsequenzen hat das für jeden einzelnen von uns?

Mit diesen Gedanken reise ich nach Goslar.

Ich möchte Menschen und ihre Geschichten kennenlernen. Ich möchte hören, welche Fragen sie an unser Zusammenleben stellen. Ich möchte eine kritische Stimme der Stadtgesellschaft sein - ein wohlwollender, konstruktiver Blick von außen, der zunehmend ein Blick von innen wird. Ich möchte über Kopfsteinpflaster streifen und ein Gefühl für das Leben hier bekommen. Ich möchte mich in den Wäldern des Harz verlieren. Und nebenbei möchte ich einen Roman schreiben.

Willkommen auf meinem Blog.

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Armin Wühle wurde 1991 in Ebersberg bei München geboren. Er schreibt Prosa und Theaterstücke.

Er studierte Kreatives Schreiben und Kulturjournalismus in Hildesheim sowie Geschichte und Soziologie in Hannover, wo er auch lebt. Er war Finalist des 25. Open Mike und erhielt ein Fellowship der Menschenrechtsorganisation Humanity in Action in Sarajevo.

Sein Theaterstück Die Ungetrösteten (Regie: Stephan Kasimir) wurde 2021 am Theater Kosmos Bregenz uraufgeführt.Für seinen Debütroman recherchierte er in Bosnien und im Libanon – Getriebene erschien 2021 im S. Marix Verlag (Verlagshaus Römerweg). Für den Roman erhielt er das Franz-Edelmaier-Stipendium für Literatur und Menschenrechte.

2022 gewann er den Essay-Preis des Stadtkulturnetzwerks Bayern zum Thema Kulturarbeit im Klimawandel. Neben seiner schriftstellerischen Tätigkeit arbeitet er für einen Verein, der sich um die Versorgung traumatisierter Geflüchteter kümmert (NTFN e.V.). Aktuell arbeitet er an seinem zweiten Roman.

Instagram: @arminwuehle
Web: www.arminwuehle.com

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